Carlos Müller
Die Kanarischen Inseln
Reisen durch die Zeit

Die nie eroberte Insel: ein Mord auf La Gomera und die Geschichte der Menschenrechte

Ureinwohner auf Gomera
La Gomera wurde nie richtig erobert. Die Gomeros hatten immer ein sehr flexibles Verhalten an den Tag gelegt. Sie handelten und verhandelten mit allen, die an ihre Strände kamen, aber sie ließen sich nie aus der Reserve, d.h. aus ihren Tälern locken. Ihre Insel, die in vier Stammesgebiete oder Kantone aufgeteilt war, stand zwar den Missionaren offen, ansonsten aber übten sich die Gomeros in diplomatischem Widerstand, abgesehen davon, dass sie natürlich auch neugierig waren auf die wunderbaren Dinge, die diese seltsamen Menschen mitbrachten, die über das Meer kamen.
Seit der Ansiedlung einiger Kastilianer um 1435 hatte sich also ein gewisses Zusammenleben zwischen Europäern und Gomeros entwickelt. Die Gomeros hatten in großer Zahl sogar das Christentum angenommen, was dem jungen, flotten Feudalherrn Hernán Peraza, als er 1477 die Insel erbte, ziemlich störte. Er konnte seine einheimischen Untertanen nicht mehr als Ungläubige bezeichnen und als Sklaven verkaufen. Er versuchte es trotzdem, was ihm das Leben kostete. Die Gomeros erschlugen ihn 1488. Dieser Mord führte zu einer innenpolitisch-juristischen Krise im spanischen Königreich, deren Folgen auf die spanische Kolonialgesetzgebung für Amerika und bis in die heutigen Diskussionen über die Menschenrechte ausstrahlen sollte.
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