Carlos Müller
Die Kanarischen Inseln
Reisen durch die Zeit

Der mühsame Weg in die Moderne: der englische Einfluß

englische Villa in Las Palmas
Englische Villa in Las Palmas (Ciudad Jardin)
Nach dem Zusammenruch des Spanischen Weltreiches zu Beginn des 19. Jd. übernahmen englische Unternehmer auf Gran Canaria und Teneriffa diskret das Sagen. Es war wie die Erfüllung einer alten Liebe. Seit Beginn des 16. Jahrhunderts hatten englische Händler ihre Niederlassungen besonders auf Teneriffa eingerichtet, viele wurden auf den Inseln heimisch, die lange Geschichte der Piraterie und des Handels mit dem berühmten Malvasía spricht ebenfalls für sich. Shakespeare zitiert ihn wenigstens 20 mal in seinen Stücken. Sein dicker Sir John Falstaff wird als Sir John "Canary" verspottet, wegen seiner übergroßen Liebe zum kanarischen Malvasía.
Zwei historische Persönlichkeiten waren für den Übergang der Inseln in die Moderne prägend: ein "Selfmademan" im wahrsten Sinne des Wortes, ein "Tycoon" der englischen Seefahrt, Alfred L. Jones, und ein "Kazike" von Gran Canaria, Don Fernando de León y Castillo, eine jener charismatischen, einflussreichen Persönlichkeiten der damaligen personenbezogenen Politik, von denen sich die verunsicherten Bewohner der Inseln erhofften, dass sie ihnen einen Ausweg aus ihrer prekären wirtschaftlichen Lage aufzeigten. Im permanenten ideologischen Kampf der spanischen Innenpolitik des 19. Jahrhunderts zwischen liberalen Republikanern und konservativen Monarchisten vertrat Don Fernando eine moderate republikanische Linie.
Mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt und dem Ausbau der Häfen modernisierten sich die beiden großen Städte Las Palmas de Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife, der Rest der Inseln verblieb noch Jahrzehnte in einer fast mittelalterlichen Struktur, die erst in den letzten Jahren durchbrochen wird, was immer wieder zu innerkanarischen politischen Verwerfungen führt.
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